Die Verkaufszahlen im Musik-Business: Ein kurzer Lagebericht (Update)

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Das Musik-Business, vor allem die Labels, machen momentan schwierige Zeiten durch. Im Gegensatz zu 2006 sind laut Nielsen Soundscan im letzten Jahr die gesamten Verkaufszahlen des US-Musikmarktes um insgesamt 10% gesunken! Diese Verluste können auch die um 44% (!) gestiegenen digitalen Verkäufe nicht auffangen. Das ganze wird deutlicher in Zahlen:

Insgesamt wurden im Jahr 2007 500,5 Millionen Alben in verschiedenen Formaten verkauft, 15% weniger als 2006. 10% von diesen 500,5 Million Alben gingen digital über die „Internet-Ladentheke“. 844,2 Million digitale Songs wurden 2007 online verkauft, 2006 waren es nur 588,2 Millionen. Die Online-Verkäufe machten iTunes nun zum drittgrößten Musikhändler in den USA.

Während des Weihnachtsgeschäftes 2007 schrumpften die Absätze nach Stückzahlen gegenüber dem Vorjahr übrigens um insgesamt rund 21%.

Das heisst die abfallenden physischen Verkäufe können durch die, wenn auch stark steigenden digitalen Verkäufe nicht abgefangen werden. Dazu kommt noch, das viele Hörer nicht mehr das komplette Album eines Künstlers kaufen, sondern nur noch die aktuelle Hitsingle downloaden. Kauften Hörer früher noch wegen eines Hits blind das ganze Album eines Künstlers, so ist das heute nicht zwingend nötig. Ergo: Statt um die 10 US-Dollar verdienen die Labels im schlechtesten Falle nur ca. 89 – bis 99 US-Cent für einen Track.

Die geringeren Einnahmen bekommen die Labels heftig zu spüren, Folge sind unter anderem Massen-Entlassungen wie bei z.B. Sony/Columbia oder auch Def Jam.

Einen sehr interessanten Artikel, der das vergangene Jahr der HipHop-Releases Revue passieren lässt und sich dem angesprochenen Thema widmet, hab ich bei der Online-Ausgabe der New York Times gefunden:

The Shrinking Market Is Changing the Face of Hip-Hop

„Sales are down all over, but hip-hop has been hit particularly hard. Rap sales fell 21 percent from 2005 to 2006, and that trend seems to be continuing. It’s the inevitable aftermath, perhaps, of the genre’s vertiginous rise in the 1990s, during which a series of breakout stars — Dr. Dre, Snoop Dogg, Tupac Shakur, the Notorious B.I.G. — figured out that they could sell millions without shaving off their rough edges. By 1997 the ubiquity of Puff Daddy helped cement hip-hop’s new image: the rapper as tycoon. Like all pop-music trends, like all economic booms, this one couldn’t last.“

### UPDATE (10.Januar) ###

so… inzwischen liegen mir auch die Zahlen für den deutschen Musik-Markt vor. Dürfte einige von euch eventuell mehr interessieren als den US-Markt. Let’s have a look…

Fangen wir mit den digitalen Verkäufen an. Insgesamt wurden 2007 laut Media Control 34,5 Millionen einzelne digitale Musikstücke online verkauft, immerhin 32,7% mehr als 2006. Dazu gesellen sich 2,9 Millionen Alben bzw. Bundles (die mehr als ein Musikstück enthalten). Dies Zahl stieg gegenüber 2006 um 38,7%. Zusammenfassend wuchs also die Zahl der digitalen Produkte um 33,6 Prozent auf 37,4 Millionen. Laut Marktforschern wird sich dieser Trend aufgrund DRM-freier Musik weiter steigern.

Nun im Vergleich die Zahlen des physischen Tonträgermarktes: Wie schon in den USA auch hier nicht anders zu erwarten, entwickelten sich die CD-Verkäufe rückläufig: Der Umsatz der Branche ging um 5,1% zurück, die Verkaufzahlen um 6,4%. Genaue Zahlen sind leider nicht bekannt bzw. diese darf Media Control aus rechtlichen Gründen nicht nennen. Der Rückgang ist allerdings nicht so dramatisch wie in den USA.

Doch jetzt kommt’s: Ein Genre ist von diesem Trend verschont geblieben und entwickelt sich eher in die entgegengesetzte Richtung. Ne, leider nicht Hiphop… sondern der gute alte deutsche Schlager! No Joke. Die Zahl der verkauften Tonträger in diesem Genre stieg um sage und schreibe 40,3% an! Crazy!

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