Public Art & Graffiti in Prag

Prag ist nicht nur eine Stadt mit zahlreichen Gotik- und Barockgebäuden, sondern auch eine Stadt, in der die Graffiti und Public Art Szene stark ausgeprägt ist. Um dem Ursprung von Public Art und Graffiti auf den Grund zu gehen, muss man bis in die 1960er Jahre zurückgehen, als die damalige Tschechoslowakei noch unter kommunistischer Herrschaft stand und viele der heute zu sehenden grauen Blockwohnbauten erbaut wurden. Prag’s Südstadt wurde zur größten Wohnblocksiedlung und zum Zuhause von über 40.000 Einwohnern.

Das Aufkommen des Graffiti

In den späten 80ern wurde Graffiti erstmals im südlichen Teil Prags gesichtet. Auch in Ostrava wurde Graffiti zur Gewohnheit. Hier erschuf Maniac, der erste durch Graffiti zum Ruhm verholfene Künstler, Street Art an der Akademie für Bildende Kunst. Das Graffiti, das man in der Südstadt sehen kann, sollte dazu dienen, die deprimierenden Gebäudewände zu verstecken und aufzuheitern, und so machten sich Ansässige Graffiti-Künstler auf, um die Gebäude mit einer Vielfalt an Farben und Friedenssymbolen zu besprühen.Das bekannteste Public Art- und Graffiti-Kunstwerk in Prag ist wohl unumstritten die John-LennonMauer. Sie war früher eine gewöhnliche

Altstadt-Wand in Prag, wird aber seit den 80ern mit John Lennon inspirierten Graffiti und Teilen von Beatler-Songtexten bemalt. Ausgelöst wurde dieser Kult, als junge Tschechen begannen, Ihre Enttäuschung über die kommunistische Herrschaft Luft zu machen. Das Resultat war zugleich außerordentlich als auch ergreifend, und lockt heute noch Tausende Toursiten an, die diese Kunst bewundern wollen.

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Public Art und Graffiti im heutigen Prag

In den letzten Jahren hat sich dieser Kult weiter verbreitet und inzwischen werden Graffiti und Public Art sogar von den Stadtbehörden als Kunstform anerkannt. Dies beweist wohl auch die Public Art und Graffiti Exhibition Stuck on the City, in der Kunstwerke der bekanntesten Street Artists Tschechiens, wie z.B. Honza Kalab und Pasta Oner, zu sehen sind.

Besucht man das Kafka Museum in Prag, kann man dort ein wundervoll komisches Kunstwerk erblicken: zwei junge, nackte Männer, die in einen Teich urinieren, der die Form der tschechischen Republik hat. Die Figuren sind beweglich und „schreiben“ mit dem Wasserstrahl Zitate berühmter Prager Persönlichkeiten in das Becken. Wenn man eine SMS an die Telefonnummer auf der Skultpur schickt, pinkeln die Statuen den Text der Nachricht ins Wasser.

Wer einen Spaziergang durch die Unterführung nahe der Holešovice U-Bahn macht, sollte ein ganz bestimmtes Kunstwerk auf keinen Fall verpassen: Auf den Mauern dieses Tunnels befinden sich faszinierende Graffiti von Artisten der Akademie für Bildende Kunst. Das gewaltige Wandgemälde von Antonín Matějovský zeigt liegende Kreaturen und Engel, und eine dazu passende Inschrift.

Einer der wohl bekanntesten Künstler der Public Arts ist wohl Bildhauer David Černý. Der international bekannte und ebenso umstrittene Künstler verpackt immer wieder politische und sozialkritische Aussagen in seinen Werken, oft mit einer gehörigen Portion schwarzem Humor. Er war in der Tat Erschaffer des oben beschriebenen Kunstwerkes „Piss“. Seine zum Teil provokativen Werke sind überall in der Stadt zu finden und sorgen immer wieder für Gesprächsstoff. Der Reiter auf einem überkopf aufgehängten toten Pferd ist eine Parodie auf das Monument des Heiligen Wenzel auf dem Wenzelsplatz. Kleidung und Pose sind dem Original sehr ähnlich, Cernys Reiter sitzt aber auf dem Bauch des Pferdes, das mit heraushängender Zunge von der Decke hängt. Scheinbar hat er noch nicht gemerkt dass er sprichwörtlich „ein totes Pferd reitet“. Fantastisch!

Foto: via Flickr / Jose Mesa

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