Left Boy im Interview: Wahnsinns-Gene

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Vor zwei Jahren stellte Ferdinand Sarnitz das Musikvideo „Jack Sparrow“ auf Youtube. Ein elektronischer Hip-Hop-Track, in dem er als Left Boy in knallbuntem Outfit übers Kiffen und über Chefpiraten rappt. Der Clip hält mittlerweile bei fünf Millionen Klicks, Left Boy selbst bei160.000 Fans. Seinen Ruhm baute sich der in New York lebende Wiener im Internet auf. Mit selbstproduzierten Songs und heimgefertigten Videos. Ganz ohne die Hilfe seines Vaters André Heller, einmal abgesehen von drei richtig guten Tipps, wie Left Boy beim Gespräch im Büro seiner Plattenfirma in Hamburg verrät.

The Red Bulletin: Du bist ein Allrounder: produzierst deine Beats, schreibst deine Texte, schneidest deine Videos. Konzept oder Notlösung?
Left Boy: Ich kannte am Anfang einfach niemanden, der Musik produzieren und Videos drehen konnte. Deshalb blieb mir nichts anderes übrig, als mir alles, was ich brauchte, selbst beizubringen.

The Red Bulletin: Bei deinem Video „Healthy Ego“ sieht man deine 99-jährige Großmutter, umringt von Typen in Ballerina-, Frosch- und Matrosenkostümen. Hat sie sich von dem Schock schon wieder erholt?
Left Boy: Ich hatte ihr vor dem Dreh nicht erzählt, was passieren wird, sondern nur gesagt: „Oma, setz dich hin und reagier, wie du willst.“ Sie saß dann doch etwas starr da, aber geschockt war sie nicht. Sie ist durch das, was sie mit meinem Vater erlebte, abgehärtet, was solche Aktionen angeht.

The Red Bulletin: Wie ist das Verhältnis zu deinem Vater?
Left Boy: Wir sind beste Freunde und helfen uns gegenseitig bei unseren Projekten. Die drei besten Ratschläge, die er mir gegeben hat, lauten: Hab kein Ego. Sei dankbar. Liebe bedingungslos.

The Red Bulletin: Wenn ihr euch so gut versteht, wieso bist du dann mit achtzehn nach New York abgehauen?
Left Boy: Ich wollte raus. Hin zum Kern der Kreativität.

The Red Bulletin: Ist der Standort als Musiker heute überhaupt noch wichtig?
Left Boy: Wenn du gute Musik machst, brauchst du im Grunde nur eine Internetverbindung und Ideen zur Selbstvermarktung.

The Red Bulletin: Vor einem Jahr meintest du noch: „Der Markt für junge Leute spielt sich im Internet ab, nicht mehr im Plattenladen.“ Nun erscheint dein Debütalbum auch auf CD. Warum?
Left Boy: Weil ich falschlag. Zumindest sagen das die Statistiken. Angeblich finden immer noch 68 Prozent der Albumverkäufe in Deutschland im Plattenladen statt.

The Red Bulletin: Das Album ist stilistisch sehr vielfältig. In welchem Fach wird das Werk im Plattenladen landen?
Left Boy: Darauf bin ich selbst gespannt.

Das Interview erscheint am kommenden Montag in der neuen Ausgabe des Red Bulletin Magazins. Checkt auch die Red Bulletin Apps im Android-Store und iOS-Store!

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