Pal One im Interview zu „Seelentreffen“

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Nach einer etwas ruhigeren Phase in den letzten beiden Jahren veröffentlichte der Mannheimer Pal One am 17.April sein neues Album „Seelentreffen“ über Starting Lineup Records und im Vertrieb von Intergroove. Das inzwischen fünfte Album des Rappers kommt mit 11 Tacks, die komplett von Kool DJ GQ und Patrick Ahrend produziert wurden. Das Ding ist auf jeden Fall sehr nice und soulig geworden, sollte man sich mal anhören. Für das laufende Jahr hat Pal noch weitere interessante Projekte in Planung, mehr darf ich allerdings nicht verraten.

Ich traf mich mit Pal One in seinem Studio in Mannheim und wir sprachen ein knappe Stunde über den Nachfolger von „Fokus: Rap“, seine Auszeit, seinen Ziele, über seine Zeit als Berufsmusiker, Features und vieles mehr. Hier ein paar Ausschnitte des Interviews, das komplette gibt es bei MZEE.

MZEE.com: Für wen machst du Musik? Im Endeffekt nur für dich?
Pal One: In erster Linie habe ich Musik immer für mich gemacht. Die Fans, oder Leute die meine Musik hören, waren immer ein netter Beigeschmack, aber auch auf musikalisch existenzieller Ebene ein wichtiger Aspekt, weil sie ja deine Musik kaufen um die weiter zu bringen. Für mich hat es wie gesagt immer gezählt, dass ich selbst in erster Linie zufrieden bin. Ich würde nie einen Song machen, weil ich jetzt gemerkt habe, dieses Themengebiet oder diese Art von Song hat die Fans begeistert. Dafür mach ich das nicht, ich muss zufrieden sein.

MZEE.com: In unserem letzten Interview hattest du noch was einer Feature-CD erzählst du die aufnehmen willst. Hast du den Plan wieder verworfen?
Pal One: Ich hab wirklich kein Bock den Leuten immer hinterher zu telefonieren und ihnen in den Arsch zu kriechen. Wenn die mich angerufen haben, dann hatten die drei Stunden später meinen 16er auf ihrem Server. Wenn ich jemand angerufen hab, muss ich immer Arschkriechen oder sonst was, da drauf hab ich einfach kein Bock. Ich krieche niemandem in den Arsch, um von demjenigen einen Gefallen zu bekommen. Ich habe für die auch immer alles getan und gesagt „cool, machen wir!“ Die Zeit und die Energie hatte ich dann einfach nicht, das hat keinen Sinn gemacht.

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MZEE.com: Noch vor „Fokus:Rap“, ich glaube irgendwann Ende 2004, hattest du deinen Job geschmissen um dich komplett der Musik zu widmen. Das Thema hatte dich auf dem letzten Album sehr beschäftigt. In unserem letzten Interview wusstest du noch nicht, ob es die richtige Entscheidung war. Wie siehst du das ganze jetzt, mit etwas Abstand betrachtet?
Pal One: Ich war mir damals bewusst, als ich den Schritt in die Selbstständigkeit gemacht hab, dass ich mich da auf ein ziemlich wackeliges Brett stelle. Ich bereue keine Sekunde von den letzten Jahren, das war alles cool und geil, aber man wird älter, die Prioritäten ändern sich, man hat andere Wünsche und Vorstellungen von der ganzen Sache. Für mich hat der Stellenwert von Musik einfach eine andere Priorität bekommen, daran hängt zwar immer noch mein ganzes Herz und ich mach es liebend gerne, aber es gibt noch so viel mehr neben Pal One oder neben Business machen und Künstler sein. Und da wollte ich einfach wieder zurückgreifen. Also bereuen tu ich es nicht, es war auf jeden Fall eine geile Zeit, ich habe viel erlebt und viele Eindrücke gesammelt. Aber ab einem gewissen Zeitpunkt lässt sich das mit deinem Standpunkt an „erwachsen sein“ einfach nicht mehr vereinbaren, das macht dann einfach keinen Sinn mehr.

[…]

MZEE.com: Was meinst du woran es lag, dass es als „Berufmusiker“ nicht geklappt hat? Ist das in der heutigen Musikwirtschaft überhaupt noch ohne weitere möglich und machbar?
Pal One: Ich glaube der Markt ist zur Zeit bedient, was Deutschrap oder überhaupt Hip Hop angeht. Woran es lag? Ich glaube meine Musik war noch nie etwas für die neuste Generation, für die junge neue Generation die kommt, die wollten was anderes hören, die wollte was ganz anderes spüren bei der Musik, da kam was ganz anderes rüber. Die haben Rap und Hip Hop so wie ich ihn gekannt habe, noch nie gehört. Für die ist das „Firlefanz“ was andere, oder Rap aussagt, der wirklich noch Herz und Seele hat. Ich werfe jetzt anderen Künstler nicht vor, dass sie das nicht mit Liebe oder mit Herz machen, aber wenn ich mir jetzt meine Alben anhöre, oder auch die Alben von Künstlern, von denen ich noch überzeugt bin, dass sie das mit Herz machen, und die dann Vergleich mit anderen Releases, fällt mir dann schon auf welch deutliche Unterschiede es da gibt, allein von den Aussagen und was mit den Songs transportiert wird. Steckt da überhaupt was drin, was die transportieren möchten, oder wollen sie einfach nur gewisse Klischees bedienen, um z.B. den Stempel „Gangsterrap“ aufgedrückt zu bekommen?
Es ist halt dieser Gedanke von „ich beliefere meine Fans mit neuen Songs, geh Live auf die Bühne, bilde mir eine Fanbase, halte nahen Kontakt zu den Fans, etc“… darauf legen eben gerade die jüngeren Hörer wert. Bei den Leuten, die im selben Alter sind wie ich, ist diese Euphorie „Oh Gott Pal One“ einfach nicht mehr da, weil sie inzwischen getickt haben „Hallo? Was geht eigentlich?“. Weißt du was ich meine? Darum geht es. Davon wollte ich weg. Ich bin einfach nicht das was die da haben wollen. Ich habe kein Bock den halben Tag mit irgendwelchen Fotoshootings zu verbringen oder sonst was, mir war das immer scheiß egal, ganz ehrlich. Dann bekomm ich natürlich vorgeworfen „Das gehört doch dazu!“. Ja natürlich gehört es dazu, aber ich kann doch selbst entscheiden wie viel ich von dem Ding mitnehmen will und wie viel nicht. Als ich 13,14,15 Jahre alt war, habe ich auch nichts mit Leuten anfangen können die mich auf Probleme hinweisen wollen oder die mir sagen „Pass auf, wenn du das machst, passiert das und das, Konsequenzen gibt es, etc“. Ich denke man muss einfach ein Stück weit im Leben stehen, oder auch gewisse Sachen oder einen Reifeprozess durchgemacht haben, um meine Musik zu ticken.

[…]

MZEE.com: Welche Rolle spielt die Musik in deinem momentanen Leben? Inwiefern hat sich diese nach den Erfahrungen verändert? Spielt sie also eine andere Rolle als noch, sagen wir mal, vor 5 Jahren?
Pal One: Die hat sich nicht geändert. Das Ziel auf das ich hinsteure, hat sich geändert. Das habe ich selbst geändert…

MZEE.com: Was war denn dein ehemaliges Ziel?
Pal One: Ich wollte das Ding durchziehen. Knochenhart. Ich wollte eine riesen Fanbase, wollte viel verkaufen, auf Tour gehen. Bis du halt irgendwann gemerkt hast „Der Markt dafür ist ja gar nicht mehr da“. Da sind wir wieder bei dem Logik-Ding. Du kannst dir das dann selbst beantworten: „Hey, das wird nicht passieren“. Du kannst jetzt noch so viel tun und strugglen, der nächste Schritt wird nicht kommen. Es wird auch niemanden geben der dich auf die nächste Stufe holt, da ist jetzt Ende. Ich habe es so weit getrieben und geschafft wie ich konnte, mehr kann ich nicht geben und weiter geht es auch nicht. Wenn du dir das endlich mal eingestanden hast, und akzeptiert hast „Alles klar, das ist es“, das braucht auf jeden Fall seine Zeit, dann bist du viel zufriedener. Ich glaube 90% der Künstler da draußen belügen sich selbst, und das will ich nicht mehr.

Das komplette Interview könnt ihr hier lesen!

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Comments
  • David

    Sehr schön geführtes Interview. Hat viel Spaß gemacht zu lesen.

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